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Eine Million für einen roten Hut

Vor 25 Jahren, in den letzten Juni-Tagen, öffnete sich zum ersten Mal der Vorhang im Theaterzelt „Chapeau Rouge“ –  ein triftiger Grund zum Feiern. Gekommen waren sie alle, Schauspieler, Regisseure; Techniker, die irgendwann mal im Zelt gearbeitet hatten, Kollegen aus der Verwaltung, die stets im Hintergrund für einen reibungslosen Ablauf des Theaterbetriebes sorgen, Studenten der Theaterakademie, die nur staunen konnten über die einst wilden Theaterjahre, Urlauber und Einheimische. Minister Harry Glawe und die Bürgermeister von Wolgast und Heringsdorf und Vertreter der Stadt Anklam posierten vergnügt für ein Foto vorm Zelt. Solch ein Foto hat seit 25 Jahren Tradition – aber sonst, stets zur Saisoneröffnung, sind Schauspieler die Akteure. Wolfgang Bordel erinnerte in seiner launigen Festrede an die Gründung der Vorpommerschen Kulturfabrik, die sozusagen Vater und Mutter des Chapeau Rouge ist und, wenn man so will, auch die Eltern der späteren Kinder, geheißen „Vineta“, „Blechbüchse“, Theaterakademie, Barther BoddenBühne, Usedomer Hafenfestspiele und nun auch der Wolgaster Schlossinsel-Festspiele. Das Anklamer Theater war damals nach bundesdeutschen Maßstäben nicht überlebensfähig. Schon allein die Notstromanlage – sieben LKW-Batterien auf dem Dach des Theaters. Und die Möwen seien, wenn das Ensemble in den Kurmuscheln spielte, auch nicht zu übertönen gewesen, erinnerte er. Was also tun? Der Deutsche Bühnenverein regte an, doch eine „Kulturfabrik“ zu gründen, solche Konstrukte mit verwirrenden Namen waren gerade „in“. Gesagt, getan. Die frischgebackenen Kulturfabrikarbeiter legten ihr Geld, ihre Abfindungen, die sie für Abwicklung des Theaters bekommen hätten, zusammen und kauften das roten Zelt für 1 Million DM. Der Enthusiasmus den die Theaterleute an den Tag legten war enorm: Vier Vorstellungen am Tag, technische Einrichtung für ein Stück von 24 Uhr bis 2.45 Uhr. Das waren noch Arbeitszeiten. Das ganze Theater lebte damals auf dem Zeltplatz. Die Kollegen erzählten sich viel über diese wilden Anfangsjahre. In der neuen Ausstellungen „25 Jahre Chapeau Rouge“ ist das etwas seriöser und mit vielen Fotos aufgearbeitet. Es wird daran erinnert, das sich die Berliner Theaterprominenz hier einfand, um den 70. Geburtstag des großen Rolf Ludwig zu feiern, dass die Außenminister der Europäischen Union, hier eine Kulturprogramm mit anschließendes Sause genossen. An zahlreiche Inszenierungen wird erinnert, wie „Das weiße Röß’l“ mit Alfred Müller oder das Sonderprogramm „Die Kaiserrevue“. Es gab auch Klassiker, wie den „Urfaust“ oder „Maria Stuart“. Der Geschmack des Publikums wandelte sich mit der Zeit. Heute will gelacht werden. Das tat das Publikum dann auch ausführlich bei der „Komödie im Dunkeln“, dem Stück, das zur Feier des Tages gegeben wurde und 2017 am häufigsten auf Spielplan steht. Daneben gibt es unter anderem noch „Die Olsenbande“ und die Krimikomödie „Die 39 Stufen“. Für Kinder zahlreiche Puppenspiele und „Das Dschungelbuch“ und natürlich kommen auch Gäste, so Werner Schneyder, Desire Nick, Wladimir Kaminer und die Günther Fischer- Band und die Herkuleskeule.

 

Die Ausstellung ist im „Chapeau Rouge“ jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn zu besichtigen.