Spielstätten

Gerda Quies, eine große Theaterfrau ist tot

Vor knapp drei Wochen verbeugte sie sich ein letztes Mal vor ihrem Publikum bei der 25. und letzten Vorstellung von Brechts „Die Gewehre der Frau Carrar“. Die Presse schrieb zur Premiere: „Am stärksten bewegt die große alte Dame des Ensembles, Gerda Quies in ihrer Rolle als Frau Perez, die den fortschrittlichen Kräften zugetan ist.“

Gerda Quies ist am Sonntag im Alter von 78 Jahren  gestorben. Wenige Stunden nach der erfolgreichen Premiere von „Die Peene brennt“. Seit Anbeginn des fröhlichen Open-Airs 2002 hatte sie es sich zur Aufgabe gemacht das große Amateurensemble schauspielerisch zu trainieren. Mit leichtem Druck, Beharrlichkeit und Fröhlichkeit brachte sie noch jedem die richtige Haltung auf der Bühne bei.
Seit 1994 gehörte sie zum Ensemble der Vorpommerschen Landesbühne und spielte unter anderem in „Das Haus von Montevideo“, „Der Raub der Sabinerinnen“ und in vielen Kinderstücken. Fast schon sprichwörtliche Popularität erlangte sie als „Elderfrau“ in den ersten Jahren die Vineta-Festspiele. Von 1997 bis 2004 verkörperte sie diese weise Herrscherin der Stadt.

Aber ihre große Liebe galt doch den Kindern und Amateuren. Gerda Quies hatte schon am Theater Greifswald ein Kinderensemble geleitet, das es zu bundesweiter Berühmtheit gebracht hatte. Der Intendant der Vorpommerschen Landesbühne Wolfgang Bordel warb sie kurzerhand ab und sie gründete  1994 in Anklam das Ensemble „Kinderland“, das sie bis 2002 leitete. Sie war für die Kinder stets Mutter und Regisseurin, achtete auf Disziplin und probte intensiv und kreativ mit den Jungen und Mädchen. Wenn Gerda auf der Bühne mit den Kindern probte, war es im gesamten Theater still. Und ihre Inszenierungen waren stets große Erfolge. Viele Anklamer Kinder sind durch diese Theater- und- Lebensschule  gegangen.
Aus dem Ensemble  von „Die Peene brennt“ gründeten sich die „Peenebrenner“ und Gerda Quies studierte mit ihnen Gogols „Revisor“ und „Krach in Chiozza“ für die große Bühne ein. Auch mit den jungen Barther Amateuren hat sie erfolgreich gearbeitet und einige zum Schauspielstudium an die Theaterakademie Vorpommern geführt. Schließlich gönnte sie sich zum Abschluss ihrer schauspielerischen Karriere 2009 noch einen Soloabend: „Weitere Aussichten“ von Franz Xaver Kroetz. Doch Bordel holte sie für die Frau Perez in „Die Gewehre der Frau Carrar“ noch einmal auf Bühne zurück. Sie ahnte übrigens damals als er sie anrief und ihr zum Geburtstag gratulierte, dass er noch etwas anderes im Schilde führte. Und sie sagte gern zur Frau Perez ja. Da war sie schon 76 Jahre alt.  „Sie war durch ihre große Lebensfreude, die Art von Theater der unsere ganze Liebe gelten sollte,“ sagt Bordel über sie.