Wolfgang Bordel

An einem Ostermorgen hütete ein Schäferjunge seine Herde nahe dem Strande von Koserow, und wie er so über die weite See blickte, stieg mit einem Male eine alte, ehrwürdige Stadt aus dem Wasser empor: Gerade vor ihm tat sich das hohe, reich verzierte Tor in der Mauer auf. Erstaunt und wie von einem Trugbild geblendet saß er da. Dann aber sprang er auf und lief neugierig hinein. Die Männer trugen lange pelzbesetzte Mäntel und federgeschmückte Barette. Die Frauen gingen kostbar in Samt und Seide gekleidet. Aber alles
geschah ohne den geringsten Laut. Stumm breiteten die Kaufleute ihre Waren aus. Einer winkte den jungen heran. Er zeigte auf ein kleines Geldstück und wies auf den Tisch voll Ware. Doch der Junge besaß nicht einen Pfennig. Traurig und enttäuscht sahen ihm alle zu. Da lief er eilig durch das hohe Tor zurück an den Strand zu seinen Schafen. Er saß da noch, als ein alter Fischer vorbeikam und zu ihm sprach: „Wenn Du ein Sonntagskind bist, so kannst du heute, am Ostermorgen, die Stadt Vineta aus dem Meer steigen sehen, die hier vor vielen, vielen Jahre untergegangen ist“ …

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