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Mit ♥ erstellt in Mecklenburg-Vorpommern

© 2026 Vorpommersche Landesbühne
Drama · Klassiker der deutschen Literatur · Jetzt auf der Bühne

Gegen das Schweigen trommeln

Mit "Die Blechtrommel" bringt die Vorpommersche Landesbühne einen der wichtigsten Romane der deutschen Nachkriegsliteratur als eindringliches Drama auf die Bühne – radikal, unbequem und hochaktuell.

zum Stück

Warum Die Blechtrommel – warum jetzt?

Weil dieses Stück uns zwingt, genau hinzusehen. Grass erzählt Geschichte „von unten“ – aus der Perspektive der kleinen Leute, der Mitläufer, der Wegsehenden. Oskar Matzerath verweigert das Wachstum und protestiert trommelnd gegen die Welt der Erwachsenen. Das ist radikal, unbequem und erschreckend aktuell.

Ich suche Distanz, einen gehörigen Abstand zum Durchschnitt. Ich suche meine ganz eigene Perspektive.

(Oskar in „Die Blechtrommel“)

Was steht im Zentrum der Inszenierung?

Nicht die großen Parolen, sondern das Verhalten im Alltag. Wie Schuld entsteht, wie man sich einrichtet, wie man mitläuft. Oskar ist dabei nie nur Opfer – er ist auch Täter. Diese Ambivalenz macht die Figur so stark und so verstörend.

Was macht Oskar Matzerath als Hauptfigur so außergewöhnlich?

Oskar schaut dorthin, wo andere nicht hinsehen wollen: unter die Tische, hinter die Fahnen, in die Verstecke. Seine Trommel ist kein Spielzeug – sie ist Störsignal, Protest, Verweigerung. Er bleibt klein, um Distanz zu wahren. Und genau dadurch legt er die Mechanismen einer ganzen Gesellschaft frei.

Am fröhlichsten lebt der, der sich selber am besten betrügen kann.

(Der Doktor in „Die Blechtrommel“)

Welche Rolle spielt Günter Grass’ Biografie für das Stück?

Eine entscheidende. Grass war nicht nur Schriftsteller, sondern öffentlicher Intellektueller. Seine eigene Verstrickung, sein später Umgang mit Schuld und Verantwortung prägen das Werk tief. Die Blechtrommel ist keine bequeme Literatur – sie reibt, provoziert, fordert Haltung.

Welche Rolle spielt Günter Grass’ Biografie für das Stück?

Eine entscheidende. Grass war nicht nur Schriftsteller, sondern öffentlicher Intellektueller. Seine eigene Verstrickung, sein später Umgang mit Schuld und Verantwortung prägen das Werk tief. Die Blechtrommel ist keine bequeme Literatur – sie reibt, provoziert, fordert Haltung.

Wie nähert sich die Inszenierung dem Roman?

Als Drama, das verdichtet, zuspitzt und Bilder findet. Der Roman ist ein Jahrhundertpanorama – auf der Bühne konzentrieren wir uns auf die zentralen Motive: Verdrängung, Mitläufertum, Verantwortung. Oskars Weg durch drei Generationen wird zu einer theatralen Versuchsanordnung.

Unsereins darf nie zu den Zuschauern gehören. Unsereins muss auf die Bühne.

(Bebra in „Die Blechtrommel“)

Was unterscheidet Theater von der berühmten Verfilmung?

Theater passiert hier und jetzt. Es lässt keine Distanz durch Leinwand oder Schnitt zu. Das Publikum sitzt mitten im Geschehen – als Zeuge. Wer Die Blechtrommel im Theater erlebt, wird Teil der Frage: Wo stehe ich? Schaue ich zu – oder handle ich?

(Die Verfilmung von Volker Schlöndorff aus dem Jahr 1979 bleibt ein Klassiker – aber das Theater setzt andere, unmittelbare Akzente.)

Für wen ist diese Inszenierung besonders relevant?

Für alle, die glauben, Geschichte sei abgeschlossen. Für alle, die sich fragen, welche Verantwortung der Einzelne trägt. Und für ein Publikum, das Lust auf anspruchsvolles, unbequemes Theater hat.

Ein letzter Gedanke?

Die Blechtrommel ist kein nostalgischer Rückblick. Es ist ein Spiegel. Und Oskars Trommeln erinnert uns daran, dass Schweigen niemals neutral ist.