Liebe, Geld und sehr dunkle Triebe
Warum Fisch zu viert von Wolfgang Kohlhaase und Rita Zimmer-Gawrikow bis heute so böse, klug und komisch ist.
Drei Schwestern, ein Diener, ein Sommerhaus – und mehr Mordpläne, als in eine Likörflasche passen.
Mit Fisch zu viert bringt die Vorpommersche Landesbühne eine Kriminalkomödie auf die Bühne, die pointiert von Liebe, Besitz und menschlichen Abgründen erzählt. Wir haben nachgefragt, was diesen Klassiker so zeitlos macht.
Im Zentrum stehen die drei Schwestern Charlotte, Cäcilie und Clementine Heckendorf – Erbinnen einer Brauerei. Jedes Jahr verbringen sie gemeinsam mit ihrem Diener Rudolf Moosdenger den Sommer auf dem Land. Was nach gepflegter Idylle klingt, entpuppt sich schnell als hochtoxisches Beziehungsgeflecht.
Rudolf ist Diener, Vertrauter – und Liebhaber aller drei Schwestern. Jede glaubt, für ihn etwas Besonderes zu sein, jede hat ihm heimlich einen Teil des Erbes versprochen. Als Rudolf sein Geld einfordert, kippt das Machtgefüge. Aus Abhängigkeit wird Erpressung, aus Zuneigung Mordfantasie. In dem Moment wird aus der Komödie ein Kriminalfall.
Schwarzer Humor oder bitterer Ernst?
Beides. Fisch zu viert ist eine Kriminalkomödie, aber sie lacht nicht über ihre Figuren, sondern entlarvt sie. Es geht um Besitzdenken, um emotionale Erpressung – und um die Frage, wie schnell Moral verschwindet, wenn Geld und Eifersucht ins Spiel kommen.
Es stiegen hoch sehr dunkle Triebe,
ach wie verkehrt ist diese Welt:
am Abend geht es um die Liebe,
am Morgen um das Geld.
(Moritatensänger in „Fisch zu viert”)
Warum wirkt das Stück heute noch so aktuell?
Weil sich die Motive nicht geändert haben. Macht, Geld, Abhängigkeit und verletzte Eitelkeit treiben Menschen bis heute zu extremen Handlungen. Fisch zu viert zeigt diese Mechanismen mit präziser Beobachtung und bitterem Witz.
Welche Rolle spielt die Entstehungszeit des Stücks?
Das Stück entstand 1968 zunächst als Hörspiel und wurde später fürs Fernsehen adaptiert. Typisch für DEFA-geprägte Stoffe verbindet es Unterhaltung mit Gesellschaftskritik. Kohlhaases Texte sind knapp, musikalisch und messerscharf beobachtet.
Was macht die Inszenierung auf der Bühne besonders?
Theater verstärkt das Kammerspielhafte. Vier Figuren, ein Raum, eine Situation – und immer größere Eskalationen. Das Publikum sitzt quasi mit am Tisch und wird Zeuge eines Spiels, bei dem jede Figur glaubt, die Kontrolle zu haben.
Für wen ist Fisch zu viert ein ideales Theatererlebnis?
Für alle, die schwarzen Humor lieben. Für Zuschauer:innen, die Spannung und Komik zugleich suchen. Und für alle, die gern lachen – auch dann, wenn es ein wenig weh tut.