Warum wenden wir Theaterpädagogik an?
Theaterpädagog:innen sind Vermittler zwischen der Kunstform bzw. der Institution Theater und der Gesellschaft. Sie bewegen sich zwischen der Öffentlichkeitsarbeit und der Dramaturgie. Das klingt erstmal ziemlich sperrig. Wir informieren das Publikum – insbesondere weitere Bildungseinrichtungen – darüber, welche Stücke an der Bühne gespielt werden, und was hinter bestimmten Besonderheiten einer Inszenierung steckt.
Auch wer wissen will, wie es hinterm Vorhang aussieht, wie das mit Licht und Ton klappt, und wo Bühnenbild und Kostüme herkommen, ist bei uns zunächst an der richtigen Adresse. Gleichzeitig versuchen wir auch zurückzuwirken, also vom Publikum ins Theater, zum Beispiel bei der Auswahl der Stücke und wann sie gespielt werden, oder warum gewisse Darstellungen (nicht) zielgruppengeeignet sind. Wir trainieren in Workshops mit verschiedensten Menschen Methoden aus der Theaterarbeit, die praktisch für andere Bereiche sind: „Ja, unter anderem das typische Fischers Fritze fischt frische Fische." Last but not least bringen wir Theaterspielen – in Grundzügen – bei: Viele Theaterpädagog:innen betreuen die große bunte Schar der Amateurtheater, verschiedenste Menschen in verschiedensten Theaterformen, die Freude daran gefunden haben, mit und für andere auf den Brettern, die die Welt bedeuten, aktiv zu sein.
Die Geschichte der Amateurtheater in Barth
1999 gab es zum ersten Mal die Vineta-Festtage in Barth. Die Idee, dort – ebenso wie auf der Insel Usedom – die versunkene Stadt „Vineta" auferstehen zu lassen, fußt auf der Annahme zweier Berliner Wissenschaftler, die behaupten, Vineta sei im Barther Bodden versunken. Für die erste Aufführung wurden spielfreudige Amateure in Barth gesucht. Die Resonanz war überwältigend. Aus dem Stamm der Amateur:innen bildete sich ein festes Ensemble, das bei allen Open-Air-Aufführungen auf der Bühne stand, unterstützt von Schauspieler:innen der Vorpommerschen Landesbühne und Elev:innen der Theaterakademie Vorpommern.
Im Jahr 2000 wird die Barther Boddenbühne eröffnet, das Kulturhaus der ehemaligen Zuckerfabrik wurde dazu umgebaut und mit entsprechender Theatertechnik ausgestattet. Es ist eine weitere Spielstätte der Vorpommerschen Landesbühne und gleichzeitig das Zuhause des Barther Amateurensembles und der Kinder- und Jugendgruppen des Theaters. Ab April 2000 wartete das Barther Amateurensemble, neben dem Open-Air, jährlich mit einer eigenen Inszenierung auf, unter anderem mit einer Revue zum 750-jährigen Jubiläum der Stadt Barth. Seit 2005 ist es Tradition, dass das Amateurensemble zu Silvester eine eigene Produktion auf die Bühne bringt.
Vom Amateurensemble auf die große Bühne
Aus dem Barther Amateurensemble und dem Barther Jugendensemble sind über die Ausbildung an der Theaterakademie Vorpommern professionelle Schauspieler:innen hervorgegangen: Manuela Wisbeck (Film- und Fernsehschauspielerin), Carl Pohla (2014 verstorben), Felix Meusel (Theater Vorpommern), Caroline Wybranietz (Landesbühne Nord, Wilhelmshaven), Martha Pohla (Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau), Christian Jeschke (Theater Varia Vineta), Rieke Clasen und Erik Gätjen.
Das Barther Amateurensemble
Hier treffen wir auf alle Menschen, die Freude am Theaterspielen haben. Aktuell sind die Darstellenden zwischen 12 und 96 Jahren alt. Das Amateurensemble bevorzugt heitere Stücke, Komödien und Schwänke, die traditionell von Silvester bis Ostern gespielt werden. In den Sommerstücken spielt es mit Elev:innen der Theaterakademie Vorpommern zusammen. Feste Probezeiten gibt es nicht, sondern es wird stückbezogen gearbeitet. Dabei versucht die Leitung, die Interessierten und das gewählte Stück in Einklang zu bringen.
Das Barther Jugendensemble bzw. die Barther Theatermäuse
Das derzeitige Barther Jugendensemble ist schon die dritte „Generation" an jungen Darstellerinnen und Darstellern in Barth. Die ersten „Barther Theatermäuse" wurden 2000 von Martina Noack gegründet. Meist beginnen die gleichaltrigen Interessierten im Kindesalter und wachsen als Mäuse gemeinsam ins Jugendensemble, bis Studium oder Ausbildung sie an andere Orte treiben. Aktuell steht wieder so ein Wechsel bei uns an. Finanziert und organisatorisch begleitet werden die jungen Ensembles durch den Verein „Freunde des Theaters Barth e.V.", beide Gruppen werden von Piet Oltmanns geleitet. Die theaterbegeisterten Kinder und Jugendlichen treffen sich jeden Donnerstag zur regelmäßigen Probe im Theater Barth. Neuzugänge sind nach vorheriger Absprache möglich. In der Regel finden die Premieren am Gründonnerstag statt.
Barther Junior Club
Die Mädchen und Jungen dieses Ensembles treffen sich etwa seit Anfang 2023 wöchentlich und sind zwischen 8 und 12 Jahren alt. Zunächst galt es, die Bühne und ihre Besonderheiten für sich zu entdecken. Vieles findet dabei zunächst über theaterpädagogische Arbeit statt, oder, wie man gern sagt, Spiele, die bestimmte Qualitäten für die Bühne trainieren. Noch im gleichen Jahr präsentierten sie ihr selbstentwickeltes Stück „Der wilde Norden", über Pferde, Wölfe und Diebe, ihre Familien und Freunde.
Dieses Jahr wollen die sieben bei der Langen Nacht der Denkmäler und Museen in Barth dabei sein. Es wird gespenstisch.