Eine tragische Komödie
Güllen ist bankrott. Die Kassen sind leer, die Wirtschaft liegt am Boden, die Gebäude sind marode, wichtige Züge fahren längst vorbei und die Bürgerinnen und Bürger sind verarmt. Ihre Hoffnung ruht auf Claire Zachanassian, die als Milliardärin in ihre Heimatstadt zurückkehrt. Einst wurde sie von ihrer großen Liebe Alfred Ill schwanger, von ihm verleugnet und nach einem durch falsche Zeugen erkauften Prozess bettelarm und entehrt aus der Stadt vertrieben. Jahrzehnte später bietet sie den Menschen von Güllen die ersehnte Rettung: eine Milliarde für die Stadt – unter einer Bedingung. Alfred Ill muss sterben. Zunächst weisen die Güllener das Angebot empört als unmoralisch zurück. Doch schon bald werden Kredite aufgenommen, neue Anschaffungen gemacht und Zukunftspläne geschmiedet. Der Wohlstand scheint zum Greifen nah, und Alfred Ill spürt, dass sich die Haltung seiner Mitbürger ihm gegenüber unaufhaltsam verändert. Nun stellt sich die Frage: Kann man wirklich alles mit Geld kaufen, selbst das Leben eines Menschen? Claires Angebot ist nicht nur ein Akt der Rache und der Versuch, die Vergangenheit vergessen zu machen, es ist ein Experiment, das zeigt, wie Bestechlichkeit eine Anziehungskraft entwickelt und das Verlangen nach Geld eine ganze Gemeinschaft verändern kann. Wie viel Gier hält eine Gesellschaft aus, bevor sie ihre Menschlichkeit einbüßt? Was bleibt von einer sozialen Gemeinschaft oder gar Liebe, wenn die Verlockung des Reichtums alle anderen Werte überdeckt?
Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG, Berlin; www.felix-bloch-erben.de