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Anklam // Barth // Heringsdorf // Wolgast // Zinnowitz

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Mit ♥ erstellt in Mecklenburg-Vorpommern

© 2026 Vorpommersche Landesbühne
Ensemble

Was ist ein Schauspielensemble? Wie Ensemble, Theaterakademie und Amateure an der Vorpommerschen Landesbühne zusammenspielen

18. August 2026

Gestern noch ein Trauerspiel, heute eine Boulevardkomödie, und auf der Probebühne stehen dieselben Gesichter, die sich blind verstehen. Ein Schauspielensemble ist die Gesamtheit der fest an einem Theater engagierten Bühnenkünstler, die über mehrere Spielzeiten gebunden sind und parallel an mehreren Produktionen arbeiten. Das unterscheidet es von einzelnen Gastauftritten oder befristeten Stückverträgen.

Wer zum ersten Mal hinter die Kulissen schaut, wundert sich oft, wie ein vergleichsweise kleines Team ein ganzes Repertoire aus Klassikern, Komödien und Kinderstücken stemmt. Die Antwort liegt in der Arbeitsweise des Ensembles selbst, in seinen Vertragsformen und darin, wie eng Ausbildung, Beruf und Publikum an einem Haus wie der Vorpommerschen Landesbühne miteinander verzahnt sind.

Hinter dem Wort „Ensemble" steckt mehr, als man zunächst denkt. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Ein festes Ensemble unterscheidet sich rechtlich klar vom Gastauftritt und vom Stückvertrag, jede Form bindet die Spielenden anders an ein Haus.
  • Ein kleines Ensemble bewältigt ein großes Repertoire, weil Rollen doppelt besetzt werden und mehrere Produktionen zugleich proben und laufen.
  • An der Vorpommerschen Landesbühne tragen drei Säulen den Spielbetrieb: das Profi-Ensemble, die Theaterakademie und die Amateurgruppen vor Ort.
  • Der Einstieg ist an mehreren Punkten offen, von der Amateurbühne ohne feste Probenzeiten bis zur ganzjährigen, gebührenfreien Bewerbung an der Theaterakademie.

Was ist ein Schauspielensemble eigentlich?

Ein Schauspielensemble bezeichnet die Gesamtheit der Bühnenkünstler, die an einem Theater engagiert sind und dort über einen längeren Zeitraum zusammenarbeiten. Laut der Definition auf Wikipedia binden Theater mit Repertoiresystem ihr Ensemble vertraglich über mehrere Spielzeiten an das Haus, ganz anders als Theater mit En-suite-Betrieb oder Stagionesystem, bei denen ein Stück am Stück gespielt und die Besetzung anschließend aufgelöst wird.

Diese Bindung ist der eigentliche Kern des Begriffs: Dieselben Darstellenden proben Woche für Woche gemeinsam, kennen sich in den unterschiedlichsten Rollen und wechseln genau deshalb mühelos zwischen Genres, ganz anders als bei einer Buchung für einen einzelnen Abend.

Repertoiresystem: Ein Theater zeigt an wechselnden Abenden verschiedene Inszenierungen aus seinem laufenden Programm. Anders als im En-suite-Betrieb wechseln sich hier mehrere Titel innerhalb weniger Tage ab, ein einzelnes Stück läuft nur an ausgewählten Abenden. Das setzt ein festes Ensemble voraus, das mehrere Rollen gleichzeitig im Kopf und im Körper hat.

Ensemblevertrag, Gastauftritt oder Stückvertrag: Was unterscheidet die drei?

Für Schauspielende gibt es rechtlich drei grundverschiedene Vertragsarten, und genau hier liegt der Unterschied zwischen einem festen Ensemblemitglied und allen anderen, die an einem Abend auf derselben Bühne stehen. Der Ensemblevertrag bindet für eine ganze Spielzeit mit Anspruch auf Urlaub und Krankenversicherung, wie es der Rechtsüberblick auf juraforum.de beschreibt.

Der Gastauftrittsvertrag dagegen zahlt eine Gage für einen einzelnen Auftritt oder eine kurze Serie, ohne Festanstellung und ohne die sozialen Sicherheiten des Ensembles. Der Stückvertrag wiederum ist ein befristeter Arbeitsvertrag, der nur die Probe- und Aufführungszeit einer einzelnen Produktion umfasst und danach endet. Der Werkvertrag schließlich vergütet eine einzelne künstlerische Leistung, etwa einen Gastregie-Termin oder eine Choreografie, ohne dass daraus ein fortlaufendes Arbeitsverhältnis entsteht.

| Vertragsart | Bindung ans Haus | |---|---| | Ensemblevertrag | Ganze Spielzeit, oft mehrjährig | | Gastauftrittsvertrag | Einzelner Auftritt oder kurze Serie | | Stückvertrag | Probe- und Spielzeit einer Produktion |

Wie sieht der Probenalltag in einem festen Ensemble aus?

Im Ensemblealltag laufen Proben und Vorstellungen mehrerer Stücke gleichzeitig, vormittags wird an der nächsten Premiere gearbeitet, abends steht eine ganz andere Produktion auf dem Spielplan. Genau diese Parallelität erklärt, warum ein Ensemble, das oft nur aus einer Handvoll fester Darstellender besteht, ein Repertoire aus zehn oder mehr Stücken pro Spielzeit tragen kann.

Mehrfachbesetzungen machen das möglich: Ein Schauspieler übernimmt in einem Stück die Hauptrolle und in einem anderen eine kleinere Nebenfigur, oft in derselben Woche. Am Theater Anklam, dem Stammhaus der Vorpommerschen Landesbühne, zeigt sich diese Verdichtung besonders deutlich. Dort proben und spielen laut dem Kulturportal Mecklenburg-Vorpommern zeitgleich das feste Ensemble und mehrere Amateur- und Schülergruppen im selben Haus, nur im Sommer steht das Gebäude leer, weil die Landesbühne dann an der Küste spielt.

Dass diese Dichte kein Sonderfall ist, zeigt der Blick auf die gesamte Branche. Bundesweit waren an öffentlich finanzierten Theatern 2.104 Schauspielerinnen und Schauspieler fest angestellt, dazu kamen in der Spielzeit 2023/24 rund 15.900 produktionsbezogene Gastverträge für einzelne Inszenierungen, wie das Deutsche Musikinformationszentrum auf Basis der Theaterstatistik ausweist. Mehr als 6.800 Inszenierungen liefen im selben Zeitraum im Repertoire, eine Stückvielfalt, die laut Deutschem Bühnenverein nur mit einem festen Ensemble überhaupt zu stemmen ist. Gastverträge füllen also die Lücken, tragen aber nicht das laufende Repertoire.

Warum braucht eine Landesbühne wie die Vorpommersche ein bewegliches Ensemble?

Eine Landesbühne bespielt zusätzlich zu ihrem eigenen Haus Städte und Gemeinden ohne eigenes Theater, weniger als die Hälfte ihrer Vorstellungen findet üblicherweise am Stammsitz selbst statt. Genau darin liegt der Unterschied zu einem Stadt- oder Staatstheater, dessen Ensemble im Regelfall an einem Ort probt und spielt.

Deutschlandweit gibt es 24 solcher Landesbühnen, die Theater dorthin bringen, wo sonst keines wäre, wie unter anderem die Berichterstattung über die Deutschen Landesbühnentage zeigt. Die Vorpommersche Landesbühne gehört dazu und bespielt heute insgesamt acht Spielstätten an fünf Standorten: das Theater Anklam als Stammhaus und das Anklamer Hoftheater, das Theaterzelt Chapeau Rouge in Heringsdorf, Die Blechbüchse und die Vineta-Festspiele in Zinnowitz, die Barther Boddenbühne und den Barther Theatergarten sowie die Hafenfestspiele in Wolgast. Hinzu kommt als neunter Standort die Theaterakademie Vorpommern in Zinnowitz, die eigene Ausbildungsstätte der Landesbühne.

Für das Ensemble bedeutet das, dass eine Rolle nicht an einen Ort gebunden ist. Wer in dieser Spielzeit auf der Vineta-Freilichtbühne in Zinnowitz das Sommerpublikum unterhält, steht wenige Wochen später vielleicht in der Blechbüchse oder in Anklam auf der Bühne. Ein unbewegliches Ensemble könnte diese Kette aus Spielorten schlicht nicht bedienen, weder logistisch noch künstlerisch, denn jede Spielstätte verlangt ihre eigene Bühnenform, vom Zelt bis zum klassischen Saal.

Wie spielen Profi-Ensemble, Theaterakademie und Amateure an der Vorpommerschen Landesbühne zusammen?

An der Vorpommerschen Landesbühne tragen drei Säulen gemeinsam den Spielbetrieb: das professionelle Ensemble, die Schauspielschülerinnen und -schüler der Theaterakademie Vorpommern und die Amateurgruppen an den einzelnen Standorten.

Die Theaterakademie Vorpommern wurde im Jahr 2000 gegründet und ist als staatlich anerkannte Höhere Berufsfachschule für Schauspiel und Theaterarbeit anerkannt. Die Ausbildung dauert vier Jahre und ist gebührenfrei, es gibt eine Ausbildungsvergütung, und BAföG-Förderung ist möglich. Im vierten, praktischen Ausbildungsjahr werden die Elevinnen und Eleven direkt in das Ensemble der Landesbühne integriert und stehen damit schon während der Ausbildung auf derselben Bühne wie die fest engagierten Kolleginnen und Kollegen, mit echtem Publikum und echtem Repertoiredruck.

Die dritte Säule bilden die Amateurgruppen, die an den Standorten der Landesbühne eigene Produktionen erarbeiten, oft mit Unterstützung durch die Profis. Dazu zählen unter anderem die Anklamer Peenebrenner, die seit 2022 als Hoftheater auf dem Theaterhof neben dem Theater Anklam spielen, sowie das Barther Amateurensemble mit dem Barther Jugendensemble und den Barther Theatermäusen. Diese drei Säulen greifen ineinander: Eine Amateurschauspielerin aus Barth kann über die Theaterakademie ins Profi-Ensemble wechseln, ein Elevenjahrgang spielt neben festen Ensemblemitgliedern, und beide treten wiederum in Produktionen auf, die auch das Amateurensemble sieht und mitgestaltet.

Wie werden Sie Teil des Ensembles, von der Amateurbühne bis zur Theaterakademie?

Der einfachste Einstieg führt über eine Amateurgruppe vor Ort, denn hier liegt die Einstiegshürde ziemlich niedrig. Beim Barther Amateurensemble etwa gibt es keine festen Probenzeiten, gearbeitet wird stückbezogen, und ein Einstieg ist praktisch jederzeit möglich. Auch die Anklamer Peenebrenner bringen pro Spielzeit eigene Produktionen auf die Bühne, mit einer langen Tradition seit der ersten Premiere von „Die Peene brennt" im Jahr 2002.

Wer es ernster meint und den Beruf lernen will, bewirbt sich an der Theaterakademie Vorpommern. Die Bewerbung ist ganzjährig möglich, für den Eignungstest wird keine Prüfungsgebühr erhoben. Wie der Ablauf konkret aussieht, welche Fristen gelten und was der Eignungstest genau prüft, erklärt der Beitrag Theaterakademie Vorpommern Bewerbung: Ablauf & Fristen 2026 Schritt für Schritt.

Karrierewege aus dem Amateurensemble: Aus dem Barther Amateurensemble sind über die Theaterakademie bereits mehrere professionelle Schauspieler hervorgegangen, darunter Manuela Wisbeck, Caroline Wybranietz, heute an der Landesbühne Nord Wilhelmshaven engagiert, und Martha Pohla, die inzwischen am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau spielt.

Diese Beispiele zeigen den eigentlichen Charme des Systems: Der Weg von der ersten Amateurprobe bis zum festen Ensemblevertrag an einem anderen Haus ist an der Vorpommerschen Landesbühne kein Sprung ins Ungewisse, sondern ein Weg mit klaren Stationen. Wenn Sie selbst nicht auf die Bühne wollen, aber Lust auf das Erlebnis einer Amateurproduktion haben: Unter Theatergruppe Vorpommern mitmachen erfahren Sie, wie und wo Sie selbst einsteigen können.

Ein Ensemble lebt von Vertrauen und Wechsel

Die Probensituation vom Anfang zeigt eigentlich genau diese Spannung: Jedes feste Ensemble muss Stabilität und Wechsel gleichzeitig aushalten. Nur weil dieselben Menschen sich über Jahre kennen, können sie an einem Vormittag ein Trauerspiel proben und am Abend eine Komödie spielen, ohne dass die Qualität leidet.

Für die Vorpommersche Landesbühne heißt das konkret: Ein bewegliches Profi-Ensemble trägt die Hauptlast, die Theaterakademie lässt ihre Elevinnen und Eleven von der ersten Bühnenerfahrung an mitspielen, und die Amateurgruppen holen Nachwuchs direkt vor Ort auf die Bühne. Gemeinsam tragen alle drei ein Repertoire, das ein einzelnes Haus allein nie stemmen könnte. Wenn Sie wissen möchten, wo genau dieses Ensemble in den kommenden Wochen zu erleben ist: Den aktuellen Spielplan finden Sie online, und wer selbst einsteigen will, spricht am besten direkt mit der Theaterakademie.

Häufige Fragen zum Schauspielensemble

Wie viele Stücke zeigt ein festes Ensemble in einer Spielzeit?

Ein festes Ensemble trägt oft ein Repertoire aus mehreren Dutzend Vorstellungen, verteilt auf zehn oder mehr unterschiedliche Produktionen pro Spielzeit. Bundesweit kamen 2023/24 mehr als 6.800 Inszenierungen im Repertoire zusammen, getragen von rund 2.100 fest engagierten Schauspielerinnen und Schauspielern. Möglich wird das durch Mehrfachbesetzungen und parallele Proben mehrerer Stücke.

Was kostet die Bewerbung an der Theaterakademie Vorpommern?

Für den Eignungstest wird keine Prüfungsgebühr erhoben. Bewerben kann man sich ganzjährig, ohne an feste Bewerbungsfristen gebunden zu sein. Nach bestandenem Test beginnt die vierjährige, gebührenfreie Ausbildung mit Ausbildungsvergütung und BAföG-Option.

Kann ich ohne Schauspielausbildung bei einem Amateurensemble mitmachen?

Ja, die Amateurensembles der Vorpommerschen Landesbühne stehen grundsätzlich offen. Beim Barther Amateurensemble gibt es keine festen Probenzeiten, gearbeitet wird stückbezogen, ein Einstieg ist nahezu jederzeit möglich. Vorkenntnisse sind willkommen, aber keine Voraussetzung, entscheidend ist die Lust am gemeinsamen Proben und Auftreten.

Wie kommen die Theaterakademie-Elevinnen und -Eleven ins Ensemble?

Sie werden im vierten, praktischen Ausbildungsjahr direkt in das Ensemble der Vorpommerschen Landesbühne integriert. Ab diesem Zeitpunkt stehen sie neben den fest engagierten Ensemblemitgliedern auf der Bühne, mit echtem Publikum und im laufenden Repertoirebetrieb. Die vierjährige Ausbildung davor ist gebührenfrei und wird vergütet.

Warum spielt dasselbe Ensemble an so unterschiedlichen Spielstätten?

Weil eine Landesbühne wie die Vorpommersche mehrere Orte ohne eigenes Theater versorgt und dafür kein zusätzliches Personal an jedem Standort vorhält. Das eine Ensemble wandert zwischen den acht Spielstätten der Landesbühne, vom Theater Anklam über Die Blechbüchse und die Vineta-Festspiele in Zinnowitz bis zur Barther Boddenbühne und den Hafenfestspielen in Wolgast. So erreicht ein vergleichsweise kleines Team ein großes, geografisch verteiltes Publikum.

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